19. Dezember 2016 ///
sentiment lab im Interview mit der Berliner Zeitung

sentiment lab im Interview mit der Berliner Zeitung zum Thema SUV:

 

„Sagen Sie mal

 

SUV sind eine nicht unumstrittene Automobil-Spezies. Sie sind dem Phänomen mit neuartigen Analysetools im Internet nachgespürt, mit welchem Ergebnis?

 

Unser Social Media Analysetool ist in der Lage, nicht nur die Häufigkeit bestimmter Begriffe, sondern auch die qualitativen Aussagen zu Marken, Modellen und Fahrzeugeigenschaften zu erfassen. Wir vermuteten, dass um ein so emotionales Fahrzeug auch eine sehr emotionale Debatte geführt wird und wurden bestätigt.

 

Wer streitet da mit wem?

 

Es sind gar nicht so sehr Gruppen, die sich da gegenüberstehen. Vielmehr wird deutlich, dass die Leute sehr wohl um die Nachteile von SUV wissen, sich diese aber gern schönreden. Das wird etwa im Vergleich mit dem Kombi deutlich, dem man den günstigeren Verbrauch, mehr Platz oder die bessere Aerodynamik zubilligt, aber am Ende doch auf die imposantere Erscheinung des SUV und die damit verknüpfte eigene Geltungsmacht abhebt.

 

Eine eher irrationale Debatte?

 

Bezogen auf die Schlussfolgerungen schon. Es wird ja beispielsweise durchaus festgestellt, dass viele SUV in puncto Kofferraum nicht das halten, was sie versprechen. Aber schlussendlich zählt das faktische Sein weniger als der schöne Schein. Ähnlich ist es beim Thema Allrad. Obwohl ja nicht wenige SUV ohne verkauft werden, schrecken viele User vermeintlich vor dem Kauf zurück, wenn keine Allradvariante angeboten wird. Grob eingeteilt, könnte man festhalten, dass sich 60 Prozent der Argumente pro SUV, 40 Prozent dagegen aussprechen.

 

Schlägt sich die Kontroverse um den Verbrennungsmotor in der Debatte nieder?

 

Nicht grundsätzlich. Ein E-Antrieb etwa ist für die meisten kein Thema. Bulliges Aussehen und hohe Leistung bilden schon einen akzeptierten Zusammenhang. Der hohe Verbrauch allerdings wird dennoch kritisch angesprochen.

 

Sind die Bestseller die Meistdiskutierten?

 

Ja und nein. Es ist durchaus so, dass der VW Tiguan, das meistverkaufte SUV, am häufigsten genannt wird. Aber durchaus nicht deswegen, weil man ihn für den aufregendsten Vertreter des Segments hält. Aber er wird eben sehr gern zum Vergleich als eine Art Referenzwert herangezogen.

 

Was sagt Ihre Analyse über die Entwicklung des Segmentes?

 

Im Moment ist es noch so, dass jedes neue SUV sehr stark über die optische Wirkung auch kleiner Veränderungen wahrgenommen wird. Aber wir konnten schon feststellen, dass die Stimmen zunehmen, die die Schwemme immer neuer Modelle kritisieren, die einseitige Fixierung im Markt bemängeln. Das könnte auf ein absehbares Kippen der Euphorie hindeuten. (mwo.)“

 

 

 

Quelle: Berliner Zeitung, Nummer 296, 17./18. Dezember 2016 – Seite B8